In memoriam

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Ewald R. Weibel

5. März 1929 – 19. Februar 2019

 

Ewald Weibel, ein Grand Seigneur der schweizerischen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik, und prägende Figur der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, ist von uns gegangen.

 

«Er bleibt uns als Mensch, als akademischer Lehrer, als Mentor, als scharfsinniger Forscher und als integrer Geist in Erinnerung.»

 

So steht es sehr treffend in der Todesanzeige. All dies, aber noch viel mehr, hat er auch für die SAMW verkörpert. Als Präsident von 1997 – 2000, als Vizepräsident in den Jahren 2000 bis 2004 und ab 2004 als Einzel- und Ehrenmitglied des Senats hat er die Akademie bis heute ganz wesentlich gestaltet und mitgeprägt. Eine Persönlichkeit an der Spitze zu haben mit höchstem wissenschaftlichen internationalen Renommee, zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen, jemand, der zudem eine ganze Reihe bedeutender Ämter in der schweizerischen Hochschullandschaft besetzte und über ausgezeichnete Management-Qualitäten verfügte, war für die SAMW in jeder Hinsicht ein Glücksfall.

 

Den tragischen, völlig unerwarteten Tod des amtierenden Generalsekretärs Justus Gelzer im Jahr 1998 nutzte Ewald Weibel als Chance, um die SAMW von Grund auf zu erneuern. Er professionalisierte das bis dato im Ehrenamt geführte Generalsekretariat und schenkte einem jungen Führungsteam sein volles Vertrauen, die Geschäfte der Akademie in neue Bahnen zu lenken. Dank Ewald Weibels unermüdlichem persönlichem Einsatz, seinem phänomenalen Überblick und Sinn für Wesentliches und Prioritäten, aber auch seiner bewundernswerten Fähigkeit, Menschen zu Höchstleistungen zu motivieren und sie in Not- und Stresssituationen zu begleiten, konnten die zur Reorganisation erforderlichen Massnahmen vom Senat kurzfristig beschlossen und umgesetzt werden.

 

Dieser von Ewald Weibel initiierte Aufbruch in eine neue Zeit zeigte sich explizit im neuen Erscheinungsbild, das im Jahr 1999 angepasst wurde: die Farbe Rot wich einem dezenten blau. Das Signet – eine Schlange als Symbol der medizinischen Heilkunst umringt von einem lateinischen Motto – blieb unverändert, wurde jedoch grafisch modernisiert. Insbesondere wurde das Motto «Medici et Professoribus» umgewandelt in «Scientiae Medicinali et Societati». Damit hatte die SAMW unter der Führung von Ewald Weibel erkannt, dass ein Paradigmenwechsel und damit verbunden die Öffnung aus dem alleinigen Dienst für die Medizinische Profession hin zu Patienten und zur Gesellschaft notwendig und zeitgemäss ist.

 

Diese beiden bis heute bestehenden Grundpfeiler der SAMW, die Förderung der evidenz- basierten medizinischen Wissenschaft und die medizinische Praxis und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft, hat Ewald Weibel durch verschiedene innovative, wegweisende Projekte weiter auf- und ausgebaut. Unter seiner Ägide entstanden zahlreiche medizin-ethische Richtlinien, die brennende Themen der Jahrtausendwende aufnahmen, etwa Xenotransplantation, Sterilisation geistig behinderter Menschen oder Intensivmedizin. Auf seine Initiative hin hat die SAMW frühzeitig die wissenschaftliche Integrität in der medizinischen und biomedizinischen Forschung als relevantes Thema erkannt und die medizinischen Fakultäten in ein Verfahren bei Fällen von Unlauterkeit eingebunden. Durch seine Unterstützung wurde das Projekt «Neuorientierung der Medizin» lanciert.

 

Verschiedene Symposien, Berichte, Stellungnahmen und Förderprogramme für junge, wissenschaftlich begabte Ärztinnen und Ärzte dienten dazu, das wissenschaftliche Profil der SAMW zu schärfen. Sie gewann an Ansehen als unbestechliche Wissenschaftsorganisation mit einem hohen Sensorium für medizinisch- ethische Fragen und stärkte damit ihre Position sowohl innerhalb der Ärzteschaft und anderer Gesundheitsberufe, in Politik und Gesellschaft.

 

Wer das Privileg hatte, nahe mit Ewald Weibel zusammenzuarbeiten, erlebte ihn primär als Mensch. Er beeindruckte durch seine fast unerschöpfliche Energie, seine natürliche Autorität, seine Begeisterung für das eigene wissenschaftliche Fachgebiet genauso wie allgemeine wissenschaftlich-medizinische Fragen, sein Gespür für Wesentliches, seinen messerscharfen Geist, aber auch durch sein grosses Herz, seinen Charme, seine persönliche Anteilnahme und seinen Sinn für Humor.

 

Wer die SAMW, ihr Generalsekretariat und ihre Arbeitsweise vor 1998 kannte, wird diese heute kaum wiedererkennen. Aber trotz grösserer Professionalität und Effizienz ist der ernsthafte, menschlich warme «Geist des Hauses» geblieben. Das verdanken wir zu grossen Teilen Ewald Weibel, der auch seit seinem Rücktritt der Akademie verbunden blieb und dem jeweiligen Präsidenten und den Generalsekretärinnen und -Sekretären immer wieder mit Rat und Tat und grossem persönlichem Einsatz zur Verfügung stand. Sein letzter grosser Dienst an die SAMW war seine Begleitung aller Beteiligten bei der Vorbereitung der letzten Präsidentenwahl.

 

Eine Persönlichkeit wie Ewald Weibel hinterlässt grossen Respekt und Dankbarkeit bei allen, die das Privileg hatten, mit ihm einen Teil des Weges zu gehen.

 

Danke, Ewald!

 

Margrit Leuthold, Generalsekretärin 1998 – 2006

Werner Stauffacher, Präsident 2000 – 2004

 

 

Ewald Weibel im Online-Magazin der Universität Bern

Ende 2017 hat die Universtität Bern in ihrem Online-Magazin einen umfassenden Beitrag über Ewald Weibel und seine Forschungstätigkeit veröffentlicht. Besuchen Sie die Website, die auch einen Videoclip mit einem Interview enthält.

 

Beitrag lesen: 60 years of research and still going strong

 

 

 

KONTAKT

lic. phil. Valérie Clerc
Generalsekretärin